Botox - Das Penicillin des 21. Jahrhundert

Botulinum-Toxin ist ein Naturprodukt! Es wird heute auf Grund der eindrücklichen Wirkung auch „Penicillin des 21. Jahrhunderts“ genannt. Clostridium botulinum, ein Bakterium, produziert dieses „Gift“.

 

Beim Wort Botox denkt der Laie unweigerlich an die ästhetische oder kosmetische Behandlung altersbedingter mimischer Gesichtsfalten. Tatsächlich handelt es sich dabei lediglich um ein Zufallsprodukt aus der Behandlung des Schielens: Es fiel nämlich den behandelnden Ärzten auf, dass nach Botoxinjektion zur Behandlung des Schielens, die Fältchen im Augenbereich verschwanden. Seit der Anfangszeit hat sich bezüglich der Botoxbehandlung in der Medizin viel geändert. Botox wird bei der Behandlung vieler verschiedener Leiden angewendet.

Dass Gifte sowohl zur Zerstörung von Leben als auch zur Behandlung Kranker eingesetzt werden können, schrieb bereits der französische Arzt Claude Bernard (1813-1878). Letzteres trifft auf das Botulinumneurotoxin dem potentesten natürlichen Nervengift, speziell zu. Bereits 1822 beschrieb der deutsche Amtsarzt Justinus Kerner dieses Fettgift als Verursacher der später als Botulismus bezeichneten Lebensmittelvergiftung, meist hervorgerufen durch verdorbene Fleisch- oder Wurstprodukte (daher Botulismus, vom Lateinischen „botulus“= die Wurst), und erkannte dessen medizinisches Potential. Emile Pierre Van Ermengem isolierte 1895 den verantwortlichen Erreger: Clostridium botulinum, ein Bakterium. Botulinum Toxin ist also ein Naturprodukt!

Mit den konservativen, individuell anpassbaren Therapieoptionen mit Blasentraining, Beckenbodentraining und Medikamenten kann vielen Patientinnen eine zufriedenstellende Besserung der Lebensqualität angeboten werden. Dennoch spricht ein Teil der Patientinnen nicht genügend auf diese Therapien an oder die Nebenwirkungen der Medikamente sind intolerabel. In dieser Situation kann die Botox-Therapie diskutiert werden. Wir haben in unserem Blasenzentrum seit über 10 Jahren Erfahrung mit der Botox-Therapie und viele erfreuliche und für die Patientinnen extrem erleichternde Erfolge gesehen. 

 

Der auch unter dem Namen «Botox» bekannte Wirkstoff Botulinum Toxin-A wird während der Blasenspiegelung an ca. 20 verschiedenen Stellen in den Blasenmuskel gespritzt. Diese einfache Therapie führt häufig zu einer sehr eindrücklichen Verbesserung der Drangsymptomatik. Die Wirkungsdauer in der Blase beträgt durchschnittlich etwas weniger als ein Jahr. Viele Frauen benötigen aber gemäss unseren Erfahrungen erst nach 1 ½-2 Jahren eine erneute Injektionstherapie.